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eGovernment
Programm
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Niemand darf auf der Strecke bleiben!
Das Internet verändert die Gesellschaft in allen Bereichen. Beispielsweise entstehen durch das
Internet neue Beschäftigungsfelder und neue Möglichkeiten demokratischer Partizipation, die
ausführlich getestet und zur demokratischen Mitbestimmung genutzt werden müssen. In diesem
Zusammenhang werden sich völlig neue Formen von Bildung und Beteiligung eröffnen.
Doch: Niemand darf auf dem Weg in die Informationsgesellschaft auf der Strecke bleiben. Die
Eckpfeiler für den grünen Weg in das Internetzeitalter sind die Informationsgerechtigkeit und die
Sicherung der Bürger- und Verbraucherrechte auch im Netz.
Zum einen muss der Umgang mit den Neuen Medien fester Bestandteil der Aus- und Fortbildung werden und
zum anderen der Zugang durch günstigere Gebühren und entsprechende Infrastruktur in öffentlichen
Einrichtungen für alle erleichtert werden.
Eine wichtige politische Aufgabe stellt die Sicherung der Grundrechte - wie Daten- und Verbraucherschutz
- auch im Zeitalter des Internet und der mobilen Kommunikation dar. Das Vertrauen der Bürgerinnen und
Bürger in die Sicherheit des Netzes ist die Grundvoraussetzung für eine schnelle Entwicklung des
E-Commerce. Die rot-grüne Bundesregierung hat es sich daher zum Ziel gesetzt, mit der Verabschiedung
der Novellierung des Datenschutzgesetzes und dem (Digitalen) Signaturgesetz diese Rechtssicherheit
und den notwendigen Verbraucherschutz zu schaffen.
Außerdem verknüpfen wir viele Hoffnungen mit dem geplanten „E-Demokratieprojekt“ des Deutschen
Bundestages, das wir federführend zusammen mit der SPD auf den Weg bringen. Die Bürgerinnen und Bürger
sollen über das Internet die Möglichkeit erhalten, sich aktiv an der Umsetzung der 2. Reformstufe des
Bundesdatenschutzgesetzes zu beteiligen. Dieses Projekt und die damit verbundenen Erkenntnisse werden
sicherlich der Anstoß für weitere Projekte dieser Art sein.
Inwieweit das Internet zu einem echten Medium der Bürgerbeteiligung werden kann, bleibt noch abzuwarten.
Doch es gibt bereits zahlreiche Pilotprojekte von Bund und Ländern (stellvertretend sei hier das
„Media@Komm“ Programm genannt), die wir unterstützen und verfolgen und deren Ergebnisse für weitere
Formen und Projekte elektronischer Partizipation wichtig sein werden.
Das Wort von der Informationsgerechtigkeit gewinnt in diesem Zusammenhang viel mehr an Relevanz als bloß
die einfache Frage, ob der Einzelne nun „drin“ ist oder nicht. Es wird zu einer Frage, ob der Einzelne an
diesen Chancen partizipieren kann oder nicht.
Dabei darf sich insbesondere die Politik nicht mit kurzfristigen Sofort-Programmen zufrieden geben, die
nur zu oft zu kurzlebigen Show-Programmen verkommen, denn viele Anzeichen deuten daraufhin, dass wir in
eine Informations–Zwei-Klassengesellschaft (”information rich” – ”information poor”) abdriften könnten.
Die gerechte Teilhabe an der Informationsgesellschaft fängt mit den technischen Voraussetzungen an.
Noch werden viele Ausflüge in die Weiten des Internets von dem nervösen Blick auf die Uhr begleitet
und die einzigen, die sich „dumm und dämlich“ verdienen, sind die verschiedenen Telekommunikationsanbieter.
Um das Angebot im Internet wirklich nutzen zu können, benötigen wir daher dringend günstigere Zugänge,
eine preiswerte Flatrate, wie es sie auch schon in vielen anderen Ländern gibt.
Nach meiner Auffassung gehört ein Internetanschluss in Zukunft zur informationellen Grundversorgung.
Die Politik muss dafür das Fundament schaffen. Trotzdem können wir aber nicht davon ausgehen, dass
künftig jeder in seinem Wohnzimmer einen PC stehen hat. Daher brauchen wir ein Netz von öffentlich
zugänglichen Internet-Terminals. In jeder Bibliothek, in jedem Rathaus sollte die Möglichkeit geschaffen
werden im WorldWideWeb zu surfen. Dies macht um so mehr Sinn, als man künftig auch die meisten
Behördengänge online erledigen wird. Warum also nicht im Rathaus direkt schnell online die Wohnung
ummelden, dann eben mal gucken, wie denn die Pläne für die Umgestaltung des Platzes um die Ecke
aussehen, bei der Gelegenheit auch noch das Votum für die Variante mit oder ohne Brunnen abgeben
und zu guter Letzt der Freundin in Australien eine Email schicken.
Mit derartigen Service-Angeboten könnte das Rathaus oder auch die Bibliothek zu einem ganz neuen Kommunikationszentrum aufsteigen.
In diesem Bereich sind die USA mit ihrem flächendeckenden Netz an öffentlich zugänglichen
Internet-Terminals durchaus ein Vorbild.
Wechselt man die Perspektive und betrachtet das Internet nicht als (technisches) Instrument für
politische Beteiligung - sondern richtet den Blick auf die demokratischen Strukturen des Netzes
selbst – liegt sicherlich auch noch Vieles im Argen.
Dabei spielt die Organisation ICANN mit Sicherheit eine entscheidende Rolle, die jedoch nicht
überbewertet werden sollte.
Diese Vergabe stellt für die Erreichbarkeit im Netz einen wichtigen Faktor dar. Wir fordern daher
grundlegende Reformen bei ICANN ein, damit deren Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer
werden. Ein Serverzusammenbruch, der bei der letzten Wahl des ICANN-Vorstandsgremiums dazu führte,
daß sich keine User mehr als Wähler registrieren konnten, darf nicht noch einmal vorkommen.
(Ein Teil der ICANN-Direktoren werden von den Usern direkt gewählt. Bei dieser Wahl kann sich
grundsätzlich jede/r beteiligen.)
Außerdem braucht ICANN andere Regeln, Statuten und Normen als klassische Organisationen, diese gilt
es unter Einbeziehung der User zu entwickeln. Denn die künftige Verteilung von Namen und Nummern des
Internet ist keine technische Aufgabe, sondern eine höchst politische, dementsprechend muß sie auch
diskutiert und entscheiden werden.
Grietje Bettin, MdB, medienpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion |
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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 5. Juni 2001. |