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Gastbeitrag
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Exkursion in die Wwweiten des Cyberspace
Kommen
Sie mit - auf eine kleine Reise von rätselhaften Zeichen bis zum
Computerabsturz; eine Reise, bei der Ort und Zeit keine Bedeutung mehr
haben.
Wir beginnen mit Net.Art: Ihren Namen verdankt sie einer Legende: Der Netzkünstler Vuk Cosic
erhält 1995 eine anonyme E-Mail, die wegen ihrer Unkompatibilität nicht
lesbar ist und nur aus einem sinnlosen ASCII-Zeichenwirrwarr besteht.
Als einziges Wort kann er "Net. Art" entziffern. ->
Später wird der Text
entschlüsselt und er entpuppt sich als Manifest gegen traditionellen Kunstinstitutionen
und für die Freiheit und Unabhängigkeit der Künstler:
"All dies wird möglich erst mit dem Aufkommen des Netzes. Kunst
als Begriff wird überflüssig..." Das Manifest wurde nach einem Computerabsturz
leider von der Festplatte gelöscht. Diese Geschichte scheint kurios
und gibt doch genau die Unklarheit darüber wieder, wie man der Kunst
im Internet begegnen soll: Ist sie ein Fake wie die Kampagne
der Künstlergruppe etoy, will sie subversiv sein wie die
mutwilligen Irritationen von Jodi oder ist sie nur ein Zufallsprodukt
mangelhaft programmierter Seiten?
Ein Merkmal der net.art ist seine Immaterialität, was sie damit
auch schwer zugänglich macht. Der digitale Binärcode, aus dem sich alle
Daten zusammensetzen, bleibt abstrakt im Gegensatz zu einem gemalten
Ölschinken an der Wand.
Die Unbeständigkeit des Kunstobjekts ist aber kein Muß. Wie
bei der Konzeptkunst ist die Aktion an sich entscheidend, das Konzept
und die Interaktion, reale Endprodukte sind nicht wesentliche Bestandteile
des Werks. Das ist aber nicht entscheidend, Eva
Grubingers Arbeit Netzbikini wird durchaus real. Auf ihren Web-Seiten
können die Besucher Schnittmuster ausgedrucken, die die UserIn ausschneiden
soll, um daraus einen Bikini anzufertigen. Als Stoff sollte ein durchsichtiger
gewählt werden, um den Netzcharakter zu unterstreichen. Danach soll
die Trägerin ein Foto von sich machen und es an die Künstlerin schicken.
Frau Grubinger sendet dann ihr Label, das angenäht den Bikini als Netzkunstprodukt
ausweist.
Der Immaterialitätsbegriff stammt vom französischen Philosophen Lyotard,
der 1985 mit seiner Ausstellung "Les Immateriaux" in Paris zeigen wollte,
wie mit den Telekommunikationsmedien das Verschwinden der Materialität
begonnen hat. Die Wirklichkeit wird im immateriellen Raum der Medien
repräsentiert, so seine These, wobei der Raum nicht mehr physische Dreidimensionalität
bedeutet, sondern "Cyberspace". Ort und Zeit haben in diesem
virtuellen Raum keine Bedeutung mehr, die kürzeste Vebindung ist die
Echtzeit, die real time und nicht mehr die tatsächlich zurückgelegte
Strecke.
So wird bei
Regina Frank die Grenze zwischen Räumen und Körpern überschritten.
An wechselnden Performance-Orten überträgt sie ins Netz, wie sie Satzketten
aus Pailletten auf ihr Kleid näht, die sie aus zusammengesuchten digitalen
Texten und E-Mails kombiniert.
Beliebig viele Identitäten: Das Netz verändert den Identitätsbegriff.
Ohne direkte Gegenüberstellung, ohne face-to-face, ist kein Identitätsnachweis
mehr möglich. Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft und Klasse werden
manipulierbar wie bei
Eva Wohlgemuths Bodyscan: Kontextlosigkeit: Ohne Kontext ist nicht ersichtlich, ob es
sich bei der aufgerufenen Web-Seite um Kunst handelt oder um technische
Fehler, die zu skurrilen Ergebnissen geführt haben. Genausowenig Aufschluß
gibt eine Einordnung in das Kunstfeld, da die Unterscheidung zwischen
Hochkultur und Pop aufgehoben ist. Wann sind also Seiten im Netz
Kunst oder nicht? Ist es die der Studentin
Jennifer Ringley, die mit ihrer Jennicam alle 20 Minuten einen
Snapshot von ihrem Zimmer macht und damit noch vor Big Brother berühmt
geworden ist. Da sie sich nicht explizit in einen Kunstkontext einbindet,
ist es für den Rezipienten unmöglich zu wissen, ob sie ihr Leben als
Kunstwerk betrachtet oder nicht.
Kontextlosigkeit ist aber ebenso ein Charakteristikum des WWW: Das
Künstlerduo Jodi arbeitet mit der bewußten Irritation des Users.
Bei ihren Projekten spielt der Browser verrückt, vervielfältigt sich
und täuscht den Computerabsturz
vor. |
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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am Di., 12-Jun-2001 18:05 . |