An der Veränderung gewaltfördernder Erziehungsmuster in der Gesellschaft zu arbeiten, ist das Ziel der Initiative "Wir sinds leid - Männer gegen Gewalt", die die Evangelische Männerarbeit im Rahmen der Dekade "Überwindung von Gewalt" des ÖRK durchführt.

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Forum Männer
Macht Gewalt männlich?

"Ey, guck mal da hinten, die Tina, sieht die nicht geil aus in ihrem Fummel? Hat mich 350 Eier gekostet!"
"Na ja, vom Kleid sieht man nicht viel, aber was darunter ist... - kannst echt froh sein, dass die deine Schnalle ist! Könnt´ mir auch gefallen..."


Ein dritter Mann betritt die Szene. Auch er hat ein Auge auf "die Schnalle" geworfen. Wie sich die Situation weiterentwickelt, kann man sich vorstellen: irgendwann setzt´s Prügel.

In einer kurzen Spielszene wurde auf dem "Forum Männer" im Gesellschaftshaus des Palmengartens dargestellt, wie sich Männergewalt im Alltag zeigt. Für Rainer Neutzling, Schriftsteller aus Köln, ist Erziehung einer der wichtigsten Faktoren, die Gewalt von Männern und Jungen begünstigen. Jungen lernen, sich zu verhalten "wie ein Mann". Und das heißt: Stark sein, sich prügeln, Frauen gegenüber den Beschützer spielen. Jungen lernen: Es gibt "gute" Gewalt, mit der mann seine Schutzbefohlenen verteidigt, und für die man Dankbarkeit, eventuell sogar Gehorsam erwarten darf. Jungen lernen nicht: Sich einzufühlen in sich selbst und andere, Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und darüber zu reden.

Wohin das führt, zeigte Martin Dubberke, Geschäftsführer des Berliner Zentrums für Gewaltprävention. In Beratungsgesprächen mit Tätern stellt er fest: Wenn Männer gewalttätig geworden sind, neigen sie dazu, die Entwicklung bis zum Zuschlagen als eine zwingende darzustellen. "Ich konnte gar nicht anders", heißt es oft. Dubberke versucht dann zu zeigen, wo der Moment der Entscheidung zur Gewalt lag. "Männer müssen lernen, dass sie sich tatsächlich entscheiden können!"

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Justizminister Niedersachsens, und Dr. Konrad Raiser, Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen in Genf, über mögliche Wege aus der Gewalt befragt.
Minister Pfeiffer, der mit seiner provokanten Frage "Gefährdet die Dominanz der Männer das Überleben der Menschheit?" Aufsehen erregt hat, skizzierte vier plakative Faktoren zur Förderung von Zivilcourage:

1. Gewaltfreie Erziehung fördert den aufrechten Gang.
2. Ein liebevolles Elternhaus ermöglicht die Entwicklung von Einfühlungsvermögen.
3. Der Dominanz des Mannes in der Familie muss entgegengewirkt werden.
4. Die Gesellschaft muss eine Kultur der Anerkennung entwickeln, in
    der Zuspruch und Wahrgenommen-Werden der Entwicklung von
    Minderwertigkeitsgefühlen entgegenwirken.
"Wir brauchen eine Elternschule nach dem australischen Modell triple-p (positive parenting program), die an den Kindergarten angedockt ist", forderte Pfeiffer.

Dr. Konrad Raiser hob die Rolle der christlichen Kirchen bei der Vernetzung und Unterstützung von lokalen Initiativen und Aktionen hervor. Die Dekade "Überwindung von Gewalt", die der ÖRK im vergangenen Jahr ausgerufen hat, soll Fragen zuspitzen und den Dialog zwischen den Initiativen fördern. Weltweit kommt den Religionsgemeinschaften und dem interreligiösen Dialog eine Vorreiterrolle in der Überwindung von Gewalt zu. "Gestern haben fünf Religionsgemeinschaften in Genf eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, die zehn konkrete Schritte zur Beendigung des Konflikts in Mazedonien enthält", sagte Raiser. Auch auf familiärer Ebene haben die Religionsgemeinschaften eine Schlüsselposition zur Überwindung von Gewalt. "Keine andere Struktur ist so nahe dran am Alltag der Menschen", betonte Raiser.

In einer meditativen Körperarbeit versuchte Thomas Winkler, Körpertherapeut und Männerarbeiter aus Hamburg, das Hallenpublikum spüren zu lassen, dass Gewalt aus Unsicherheit und Ohnmachtsgefühlen entsteht. "Stellt Euch sicher auf den Boden, spürt die Erde unter Euren Füßen. Silberne Wurzeln wachsen aus Euren Fußsohlen tief in die Erde. Spürt die Kraft aus der Erde aufsteigen, bis in Eure Herzen. Über Eurem Kopf ist die Weite des Raums. Fühlt, wie Ihr wachst! Äste sprießen aus dem Zentrum Eurer Schädeldecke, silberne Äste. Sie verbinden sich mit den Ästen Eurer Nachbarn zu einem dichten Netz. Spürt die Kraft Eurer Nachbarn auch in Euch!", leitete er die Männer und Frauen in der Halle an.
Winklers Fazit: Wer die Kraft in sich spürt, wer in sich ruht, braucht keine Gewalt.

Dietrich Sonnenberger

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2001.