|
|
Chef-Volkswirt:
Deutschland soll ADAC nicht den lieben Gott spielen
lassen
Norbert Walter von der Deutschen Bank für stärkere Aufsicht
über Finanzmärkte
Für eine verstärkte Aufsicht über die Finanzmärkte
und eine bessere Regulierung hat sich der Chef-Volkswirt der Deutschen
Bank, Professor Norbert Walter, ausgesprochen. Auf diese Weise sollten
spekulative Prozesse eingedämmt und die Stabilität der Märkte
erhöht werden. Auch im Bereich des Umweltschutzes seien Kontrollmechanismen
sinvoll, sagte Walter am Donnerstagabend in einer Diskussionsveranstaltung
mit dem Titel "Geld auf dem Prüfstand". Sowohl nationale
und europäische Behörden als auch internationale Institutionen
sollten an der Aufsicht und Regulation mitwirken. Reglementierungen wie die Ökosteuer bezeichnete Walter als prinzipiell
sinnvoll. Er hoffe sehr, "dass dieses Land in den nächsten
Jahren nicht den ADAC den lieben Gott spielen lässt". Dennoch
seien "Verbote und Gebote" nur die "zweitbeste Lösung":
"Wir Deutschen sollten uns, ingenieurhaft wie wir denken, nicht
nur der Regulierung zuwenden." Er sei sich sicher, dass weder ethische
Appelle noch Verbote ausreichten, um die Probleme des gegenwärtigen
Wirtschafts- und Finanzsystems zu lösen, so Walter. In Mitteleuropa
sei die Steuerung durch ökonomische Anreize bisher "noch nicht
genügend erkannt worden". Dieses Mittel sowie die Nutzung
des internationalen Einflusses Deutschlands sollten stärker zu
Einsatz kommen. Walter wandte sich jedoch gegen Vorschläge, alternative Geldkonzepte
zu etablieren. Er widersprach damit Professor Bernard Lietaer (San Francisco/USA),
der zuvor sein Modell einer parallel zum konventionellen Geldsystem
einzuführenden, rohstoffbasierten Währung vorgestellt hatte.
"Wir brauchen kein anderes Geldsystem, sondern sinnvolle Kontrolle
und ökonomische Anreize zur Verbesserung des bestehenden Systems",
sagte Walter. Er verteidigte das gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftssystem
auch in der Diskussion mit dem Publikum. Noch nie seien so viele Menschen
mit Kleidung, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung ausgestattet
worden wie heute. Schließlich wandte er sich auch gegen die aus
dem Publikum vorgebrachte Kritik am Wachstumsstreben der Wirtschaft:
"Wir haben in unserem Stammhirn den Wunsch nach mehr' - der
liebe Gott hat uns so gemacht." |
|
Home|
Suche|
Nachrichten|
Texte|
Newsletter|
Impressum/Kontakt|
Webcam
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2001. |