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Merkel
zur Gentechnik: Grenze des Heilens ist der Eingriff
in das Leben anderer
Grünen-Politikerin Nickels befürchtet Selektion mit dem Ziel
der Tötung
Der Leiter der Universitäts-Frauenklinik Lübeck, Professor
Klaus Diedrich, hat sich am Freitag im Themenbereich "In Würde
leben" des Kirchentages für die Möglichkeit eingesetzt,
Embryonen nach der künstlichen Befruchtung genetisch auf schwere
Erbkrankheiten zu untersuchen. Die unklare Rechtslage für die Präimplantationsdiagnostik
in Deutschland müsse beseitigt werden. Sonst entstehe ein "Patiententourismus"
ins Ausland, meinte der Mediziner im voll besetzten Großen Saal
der Alten Oper.
Jeder Einzelfall sollte jedoch streng geprüft und von einer Ethikkommission
der Bundesärztekammer gebilligt werden, forderte Diedrich. Weltweit
seien erst etwa 500 Kinder auf diese Weise geboren worden. Die niedrige
Zahl zeige, dass ein strenger Umgang mit dieser Diagnoseform möglich
sei. Sie helfe, spätere Abtreibungen zu vermeiden. Es gehe keineswegs
um die Erzeugung eines "Designer-Kindes".
Der Position des Frauenarztes widersprach die Bundestagsabgeordnete
Christa Nickels (Bündnis 90/Grüne). Sie wies darauf hin, dass
nur zwei Prozent aller Behinderungen genetische Ursachen hätten.
Die Präimplantatiosndiagnostik bedeute zweifellos Selektion. Sie
sei nicht im Stande, eine Krankheit zu heilen. Sie führe vielmehr
zur Tötung begonnenen menschlichen Lebens. Die Diskussion, so sei
zu befürchten, führe eher dazu, dass Behinderte noch weniger
geachtet würden. Das unterstrichen in der anschließenden
Diskussion mit dem Publikum mehrere Behinderte. Nickels empfahl betroffenen
Paaren, auf den Kinderwunsch zu verzichten, Kinder zu adoptieren oder
auch an eine künstliche Befruchtung mit fremden Spermien zu denken.
Die Religionspädagogin Mirjam Zimmermann hielt den Befürwortern
der Präimplantationsdiagnostik entgegen, dass sie eine Fehlerquote
von 37 Prozent habe. Zudem gebe es kein Recht auf ein eigenes und gesundes
Kind. Die Lehrerin regte an, mehr mit behinderten Menschen zu reden.
Sie empfänden ihr Leben keineswegs als schlechter.
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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2001. |