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Krebsmediziner:
Alle lebensverbessernden Maßnahmen müssen erlaubt
sein
Philosoph Düwell: Moralische Überzeugungen kann man nicht
prüfen
"Eine ethische Diskussion kann menschliches Einfühlungsvermögen
nicht ersetzen", sagt der Wiesbadener Krebsmediziner Stefan Sahm.
Bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Bildungsdefizit Ethik"
auf dem Evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main warnte der Wissenschaftler
am Samstag eindringlich vor einer abstrakten Ethikdiskussion, die den
Patienten außer acht lasse. Richtschnur für ärztliches
Handeln müsse sein, dass alle lebensverbessernden Maßnahmen
erlaubt, lebenszerstörende jedoch verboten seien.
Man könne zwar lernen, ethische Fragen abstrakt zu beantworten,
letzlich gehe es aber um Überzeugungen, hob er hervor. Hierzu sei
ein klares Bekenntnis der Kirchen gefragt. "Überzeugungen
haben mit religiösen Bindungen zu tun, und darauf kommt es bei
letzten Entscheidungen an", hob der Onkologe hervor. Gegenwärtig
sei Ethik noch kein obligatorischer Bestandteil des Medizinstudiums.
Erst die neue Zulassungsordnung für Ärzte werde die Behandlung
ethischer Fragestellungen in der Ausbildung zwingend vorschreiben.
Der Philosoph Marcus Düwell vom Zentrum für interfakultäre
Ethik der Universität Tübingen warnte davor, Ethik mit Moral
gleichzusetzen. "Moralische Überzeugungen kann man nicht prüfen,
sondern nur Kenntnisse von Traditionen, Theorien und Argumenten",
erklärte er. An den Universitäten des Landes Baden-Württemberg
sei seit dem Sommersemster 2001 für alle Staatsexamenskandidaten
der Besuch zweier Ethikveranstaltungen verpflichtend.
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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2001. |